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  • Der Fall Klingenberg

    ? 50 Jahre nach Anneliese Michel: Exorzismus und Befreiungsdienste weiterhin ein problematisches Thema 

    Vor 50 Jahren starb die Studentin Anneliese Michel nach einem Exorzismus. Der Fall von Klingenberg zählt bis heute zu den bekanntesten und tragischsten Ereignissen im Zusammenhang mit Besessenheitsglauben und Dämonenaustreibungen in Deutschland.

    Doch das Thema ist keineswegs Vergangenheit. Auch heute suchen Menschen Hilfe bei Exorzisten und sogenannten Befreiungsdiensten. Die ZDF-Dokumentation „Der Teufel in mir – Exorzismus heute“ beleuchtet unterschiedliche Formen des Umgangs mit Besessenheitsvorstellungen und spirituellen Krisen. Leider fehlt eine skeptische Einordnung von Ritualen und Personen. (Eine kritische Einschätzung zur Dokumentation auf SKEPTIX). Bernd Harder: „Und so ist der 45-minütige Beitrag weniger die skeptische Aufklärung, die man sich wünschen würde, als vielmehr eine dokumentarische Darstellung der vielen Exorzismus-Angebote „im Kontext eines verschärften Wettbewerbs zwischen Seelenheilbewirtschaftern“. Beziehungsweise ein Film über „Angebot und Nachfrage in einem obskuren Business, das von starken Sehnsüchten getrieben ist“ (taz).“

    Während die katholische Kirche als Konsequenz aus dem Fall Anneliese Michel beim Thema Exorzismus große Zurückhaltung übt und klare Vorgaben sowie psychologische und medizinische Prüfungen vorsieht, agieren-wie der Beitrag zeigt- zahlreiche selbsternannte „Befreiungsdienstler“ sowie Online- und YouTube-Exorzisten weitgehend ohne Kontrolle. Die Dokumentation zeigt dies eindrucksvoll anhand von Ausschnitten aus Sitzungen des Internet-Exorzisten „Nature23“ sowie verschiedener „Befreiungsdienste“ aus freikirchlichem Umfeld. Erschreckend ist dabei, wie Menschen ohne wirkliche psychologische oder psychotherapeutische Ausbildung mit teilweise schwer traumatisierten und psychisch belasteten Personen unqualifiziert arbeiten und deren Probleme häufig vorschnell als spirituelle oder dämonische Einflüsse deuten. Das es dabei zu Übergriffen und Verletzungen kommt, wie bei NATURE 23 ist ein weiterer erschreckender Aspekt.

    Die kritische Auseinandersetzung mit Exorzismus, Befreiungsdiensten und dem Glauben an Dämonen bleibt daher wichtig. Wo endet religiöse Überzeugung und wo beginnen psychische Belastung, Manipulation oder spiritueller Missbrauch? Welche Verantwortung tragen religiöse Gemeinschaften gegenüber hilfesuchenden Menschen?

    Weiterführende Fragen:
    Wie kann Menschen in spirituellen Krisen verantwortungsvoll geholfen werden? Welche Rolle spielen psychologische und psychotherapeutische Hilfen? Und wie lassen sich spirituelle Begleitung und der Schutz vor Manipulation, Fehldiagnosen und spirituellem Missbrauch miteinander vereinbaren?

  • Neue Analyse: Nihilistic Violent Extremism, 764 & digitale Gewaltmilieus

    ? Neben Podcasts und zahlreichen Presseberichten liegt nun auch eine umfassende Analyse zu „764“ und entsprechenden gewaltbereiten Online-Kulten vor.

    Gewalt als Status. Manipulation als Gruppendynamik. Online-Radikalisierung ohne klassische Ideologie.

    Das neue Research Paper von CeMAS untersucht unter dem Begriff „Nihilistic Violent Extremism“ (NVE) eine neue Form digitaler Gewaltmilieus.

    Im Mittelpunkt stehen:

    • digitale Radikalisierung Jugendlicher
    • Gewalt als soziale Anerkennung
    • kultartige Online-Dynamiken
    • emotionale Manipulation
    • Täter-Opfer-Verschmelzungen
    • transnationale Netzwerke wie „764“
    • digitale Eskalationsspiralen und Gewaltästhetisierung

    Besonders alarmierend: Die Analyse beschreibt Mechanismen psychologischer Kontrolle, Gruppendruck, emotionale Abhängigkeiten und die zunehmende Normalisierung extremer Gewalt in digitalen Räumen.

    Auch Akteure wie „White Tiger“ werden im Kontext solcher Online-Milieus eingeordnet.

    Ebenfalls interessant, die Analyse der Konrad Adenauer Stiftung (Die gesamte Publikation gibt es hier)

    Aus Sicht der Initiative zur Hilfe gegen seelische Abhängigkeit und religiösen Extremismus sehen wir hier ein relativ neuartiges höchst gefährliches Phänomen mit Überschneidungen zwischen kultartigen Strukturen, psychologischer Manipulation und digitalen Radikalisierungsdynamiken.

     

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  • Scientology im Deutschlandfunk – kein Religionsmodell, sondern ideologisches Profitsystem

    ?In der Deutschlandfunk-Sendung „Tag für Tag“ sprach Matthias Pöhlmann über Scientology und die Einstellung der Beobachtung durch den Verfassungsschutz.

    Kritisch zu sehen ist allerdings, dass Scientology seitens des Senders dabei erneut als „Religionsgemeinschaft“ eingeordnet wird. Nach Auffassung zahlreicher Fachstellen und Kritiker stehen bei Scientology jedoch keine religiösen Inhalte im Mittelpunkt, sondern vor allem:

    • hochpreisige Psycho- und Persönlichkeitstrainings
    • stufenweise Kurssysteme
    • Kontroll- und Bindungsmechanismen
    • wirtschaftliche Interessen
    • ideologische Einflussnahme
    • ein umfassender gesellschaftlicher Machtanspruch

    Gerade letzterer unterscheidet Scientology deutlich von vielen anderen problematischen Coaching- oder Selbstoptimierungsangeboten.

    „Nach Hubbards Vorstellungen soll eine ausschließlich nach scientologischen Richtlinien funktionierende Welt geschaffen werden.“ 

    – Bayerisches Landesamt für Verfassungsschutz

    Der Verfassungsschutz beschreibt Scientology dabei ausdrücklich als Organisation mit Einflussanspruch auf Staat, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.


    ▶ Beitrag im Deutschlandfunk  

    ? Hintergrundartikel auf Sektenwatch 

    ? Verfassungsschutz Bayern: Scientology 


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  • Wenn Täter aus dem Netz Jugendliche manipulieren, missbrauchen und bis in den Tod treiben

    ? Erschütternde Hintergründe zum Online-Kult „764“ und White Tiger im neuen Spiegel Podcast.

    Der aktuelle Fall aus Hamburg zeigt erneut, wie gefährlich digitale Tätergemeinschaften agieren. Die Gruppe „764“ manipuliert perfide und gezielt psychisch verletzliche Jugendliche über soziale Netzwerke, Spieleplattformen, Messenger und Online-Communities.

    Die neue fünfteilige SPIEGEL-Podcast-Serie „Menschenjagd- im Netz von White Tiger“ dokumentiert eindringlich, wie junge Menschen emotional abhängig gemacht, unter Druck gesetzt, in Selbstverletzung und teilweise sogar in den Suizi getrieben wurden. Die einzelnen Folgen machen betroffen. 

    Der Fall macht deutlich: Online-Kulte und digitale Tätergemeinschaften sind längst kein Randphänomen mehr. Und 764 treibt weite  sein Unwesen. Umso wichtiger sind Aufklärung, Prävention und frühe Sensibilisierung.

    Hashtags:

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