Blog

  • Kultartige Strukturen – Wenn Gewalt zum Selbstzweck wird

    Nihilistic Violent Extremism (NVE): Wie digitale Gewalt-Netzwerke Jugendliche manipulieren, erniedrigen und zu schwersten Straftaten treiben

    ✎ Illustration: KI-generiert.

    🕒 Lesedauer: ca. 9 Minuten

    Der Fall „White Tiger“, das Netzwerk 764 und eine neue Herausforderung für Sicherheitsbehörden und Gesellschaft.

    Extremismus braucht offenbar nicht immer eine politische oder religiöse Ideologie. Eine erschreckende Entwicklung, die zunehmend die Aufmerksamkeit von Sicherheitsbehörden, Wissenschaft und Politik auf sich zieht, ist der sogenannte Nihilistic Violent Extremism (NVE) – nihilistischer gewaltbereiter Extremismus.

    Im Mittelpunkt stehen digitale Netzwerke, in denen Gewalt verherrlicht, Menschenverachtung zum verbindenden Element wird und die Erniedrigung anderer Menschen Anerkennung und Status verspricht.

    Der Deutschlandfunk berichtet über die wachsende Bedeutung dieses Phänomens. In Deutschland geriet die Szene insbesondere durch den Fall des unter dem Pseudonym „White Tiger“ bekannten Angeklagten in den Fokus der Öffentlichkeit. Er steht in Hamburg vor Gericht. Der Fall verdeutlicht die erschreckenden Dimensionen digital organisierter Gewalt.

    Eine neue Form digitaler Radikalisierung

    NVE lässt sich nicht ohne Weiteres mit den klassischen Erscheinungsformen des politischen oder religiösen Extremismus gleichsetzen. Die Beteiligten verfolgen nicht zwangsläufig ein geschlossenes politisches Programm. Vielmehr entwickeln sich in digitalen Gruppen Dynamiken, in denen Gewalt selbst zum Zweck wird.

    Gewalt wird inszeniert, verbreitet und innerhalb der Gruppen als Mittel zur Erlangung von Anerkennung eingesetzt. Immer extremere Handlungen können zum Wettbewerb um Status und Einfluss werden.

    Das Phänomen ist dabei keineswegs frei von ideologischen Bezügen. Insbesondere Überschneidungen mit rechtsextremistischen und militant-akzelerationistischen (Entwicklungen gezielt beschleunigen, um einen Umbruch herbeizuführen, d.h. eine Strategie, Gewalt und gesellschaftliche Destabilisierung bewusst zu fördern) Milieus sind dokumentiert.

    764 und The Com: Gewalt als digitales Gemeinschaftserlebnis

    Ein wesentlicher organisatorischer Rahmen ist das digitale „Ökosystem“ The Com. Dazu gehören unterschiedliche gewaltorientierte Online-Gruppierungen, darunter das Netzwerk 764.

    Über soziale Netzwerke, Online-Spiele und Kommunikationsplattformen wie Discord oder Telegram nehmen Täter Kontakt zu Kindern und Jugendlichen auf. Was zunächst als Kontaktaufnahme oder vermeintliche Gemeinschaft beginnt, kann sich zu einem System aus Manipulation, Erpressung und psychischer Kontrolle entwickeln.

    Zu den dokumentierten Methoden gehören:

    • Gezieltes Grooming (Vertrauenserschleichen und Manipulation) und der Aufbau manipulativer Abhängigkeiten.
    • Sexuelle Erpressung (Sextortion) und die erzwungene Herstellung von Missbrauchsdarstellungen.
    • Doxxing (Bloßstellung und Einschüchterung) , Swatting (Physische Bedrohung durch provozierte Polizeieinsätze mittels erfundener Notfallmeldungen) und andere Formen digitaler Einschüchterung.
    • Aufforderungen zu Selbstverletzungen und teilweise sogar zu Suiziden.
    • Anstiftung zu realen Gewalttaten, Brandstiftungen und Sachbeschädigungen.
    • Verbreitung von Gewaltvideos und digitalen Anleitungen zur Manipulation und Erniedrigung anderer Menschen.

    Die Täter steigern innerhalb solcher Netzwerke ihren Status teilweise durch immer extremere Gewalthandlungen. Die Opfer werden dabei zum Objekt der eigenen Gewaltfantasien degradiert und systematisch entmenschlicht.

    Was sagt die Bundesregierung? Die Kleine Anfrage im Bundestag

    Wie ernst die Sicherheitsbehörden diese Entwicklung nehmen, zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.

    Unter dem Titel „Kenntnisstand der Bundesregierung zum Nihilistic Violent Extremism, militantem Akzelerationismus und rechtsextremer Onlineradikalisierung in Deutschland“ wurde am 23. Oktober 2026 die Bundestagsdrucksache 21/8776 veröffentlicht.

    Die Antworten enthalten bemerkenswerte Erkenntnisse:

    Ein erhebliches Gefährdungspotenzial

    Die Bundesregierung schreibt den Akteuren der NVE-Szene grundsätzlich ein gesteigertes Gefährdungspotenzial zu. Die digitale Vernetzung erleichtert die Rekrutierung weiterer Anhänger und Opfer und kann die Ausbreitung des Phänomens beschleunigen.

    Junge Menschen im Mittelpunkt

    Ein Großteil der zugehörigen Personen ist nach Einschätzung der Bundesregierung jung, männlich und häufig sozial isoliert. Teilweise bestehen zusätzliche persönliche und soziale Schwierigkeiten.

    Überschneidungen mit dem Rechtsextremismus

    NVE ist nicht automatisch mit Rechtsextremismus gleichzusetzen. Allerdings gibt es ideologische und personelle Überschneidungen mit der rechtsextremistischen Attentäter-Fanszene und militant-akzelerationistischen Netzwerken. Auch rechtsextremistische Propaganda und entsprechende Ideologiefragmente finden sich in Teilen dieser digitalen Milieus.

    Erhebliche Wissens- und Erfassungslücken

    Eine bundesweit einheitliche Definition von NVE existiert bislang nicht. Auch eine eigenständige statistische Erfassung entsprechender Straftaten ist noch nicht möglich. Belastbare Zahlen zu Mitgliederzahlen und regionalen Schwerpunkten der digitalen Gruppierungen lassen sich aufgrund ihrer fluiden und dezentralen Strukturen nicht angeben.

    Konsequenzen für die Sicherheitsbehörden

    Die Bundesregierung beschreibt die fortlaufende Beobachtung und Analyse durch die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern. Außerdem wird auf die wissenschaftliche Untersuchung gewaltverherrlichender Online-Gruppierungen und die Zusammenarbeit der zuständigen Stellen eingegangen.

    Die parlamentarische Antwort macht deutlich: Die Sicherheitsbehörden nehmen das Phänomen ernst. Zugleich bestehen erhebliche Schwierigkeiten bei der systematischen Erfassung und Zuordnung entsprechender Straftaten.

    Die Russland-Verbindung: Werden Jugendliche für Anschläge instrumentalisiert?

    Eine zusätzliche sicherheitspolitische Dimension beleuchtet der Podcast „Teenager unter Terrorverdacht – Die Russland-Connection der ‚White Tiger‘-Szene“.

    Die journalistischen Recherchen beschäftigen sich mit Hinweisen auf mögliche Rekrutierungsversuche durch russische Akteure. Jugendliche aus dem Umfeld der digitalen Gewaltmilieus könnten demnach für terroristische oder destabilisierende Aktionen instrumentalisiert werden.

    Der Podcast beleuchtet dabei auch die Frage, wie digitale Gewalt-Netzwerke für Zwecke genutzt werden könnten, die weit über die ursprünglichen Aktivitäten der Szene hinausgehen.

    Wichtig ist die Unterscheidung zwischen journalistischen Hinweisen, laufenden Prüfungen und gesicherten Erkenntnissen: Die Bundesregierung verweist in ihrer Antwort auf die entsprechenden Medienrecherchen und mögliche Rekrutierungsstrategien. Weitergehende Erkenntnisse zu konkreten staatlichen Steuerungen lassen sich daraus nicht pauschal ableiten.

    Fachliche Einordnung: Ein Beitrag aus dem ADK-Fachseminar

    Auch die Bayerische Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise e.V. (ADK) hat sich mit unterschiedlichen Erscheinungsformen extremistischer und digitaler Gewalt beschäftigt.

    Im Rahmen des allgemeinen Fachseminars „Demokratie und Gesellschaft – Extremismus entgegentreten – Gemeinwohl stärken“ wurde der Fachbeitrag „Gefahren durch extremistische Internetphänomene am Beispiel 764 – (organisierte) Gewalt im Netz“ von Jasmina Eifert vorgestellt.

    Der Beitrag beleuchtet die Strukturen und Vorgehensweisen des Netzwerks 764. Im Mittelpunkt stehen Täterstrategien, die gezielte Kontaktaufnahme zu Minderjährigen, Grooming, Erpressung und die systematische Eskalation von Gewalt. Darüber hinaus werden weitere radikalisierte Online-Gruppierungen sowie Möglichkeiten der Prävention und Intervention behandelt.

    Damit bietet der Fachbeitrag eine wichtige Ergänzung zur aktuellen Berichterstattung und zu den Erkenntnissen der Bundesregierung.

    Digitale Gewalt erkennen – junge Menschen schützen

    Die Entwicklung stellt Eltern, Schulen, Jugendhilfe, Beratungsstellen und Sicherheitsbehörden vor neue Herausforderungen.

    Die Grenzen zwischen digitaler Manipulation, psychischer Gewalt, sexualisierter Ausbeutung und realweltlichen Straftaten verschwimmen zunehmend. Herkömmliche Vorstellungen von Extremismus und Radikalisierung reichen deshalb nicht mehr aus, um diese Entwicklungen angemessen zu verstehen.

    Es braucht mehr Wissen über digitale Gewaltmilieus, eine bessere Qualifizierung von Fachkräften und eine frühzeitige Sensibilisierung des sozialen Umfelds.

    Gewalt ohne geschlossenes politisches oder religiöses Weltbild ist keineswegs weniger gefährlich. Wenn Menschenverachtung, Manipulation und Gewalt selbst zum verbindenden Element digitaler Gemeinschaften werden, entsteht eine ernst zu nehmende Herausforderung für unsere Gesellschaft.

    Weiterführende Informationen und Quellen

    Aktuelle Berichterstattung

    Deutschlandfunk: NVE-Szene – Experten warnen vor Extremismus ohne Ideologien als wachsende Gefahr in Deutschland.

    Deutschlandfunk-Bericht lesen

    Deutscher Bundestag

    Kleine Anfrage und Antwort der Bundesregierung – Drucksache 21/8776.

    Antwort der Bundesregierung (PDF)

    Podcast: Teenager unter Terrorverdacht

    Die Russland-Connection der „White Tiger“-Szene.

    Podcast auf Spotify

    ADK – Bayerische Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise e.V.

    Fachbeitrag: Gefahren durch extremistische Internetphänomene am Beispiel 764 – (organisierte) Gewalt im Netz.

    ADK-Fachbeitrag lesen (PDF)

    Weitere Informationen auf unserer Homepage

    Weitere Recherchen und Hintergrundbeiträge zu White Tiger und digitalen Gewaltstrukturen finden Sie auf unserer Homepage.

    Weitere Beiträge auf unserer Homepage

    Weitere Informationen auf dem Skeptix-Blog

    Auch der Skeptix-Blog beschäftigt sich mit dem Netzwerk 764 und den Hintergründen des Nihilistic Violent Extremism.

    Beiträge auf Skeptix lesen

    Hinweis: Der Beitrag behandelt sexualisierte Gewalt, Kindesmissbrauch, Selbstverletzung und Suizidalität. Die Darstellung erfolgt ausschließlich zu Informations- und Aufklärungszwecken.

    #DigitaleKulte #764 #TheCom #NVE #WhiteTiger #OnlineRadikalisierung #DigitaleGewalt #Extremismus #Jugendschutz #Skeptix

  • Perfide Werbung bei Schwerkranken

    Wenn Gebete Tumore verschwinden lassen sollen – Geschäft mit der Hoffnung auf Heilung?

    Eine Freikirche in Offenbach wirbt mit spektakulären Heilungsvideos. Ein Prediger aus Südkorea, angeblich ausgespuckte Tumore und eine kostenpflichtige Heilungskonferenz werfen Fragen auf.

    Die Hoffnung auf Heilung ist verständlich – besonders bei Menschen, die schwer erkrankt sind und bereits einen langen Leidensweg hinter sich haben. Genau an diese Hoffnungen knüpft die Offenbacher Freikirche „Jesus Healing“ an. Wie die Offenbach-Post berichtet, wurden bei einer Veranstaltung Videos gezeigt, die angebliche Wunderheilungen dokumentieren sollen. Der spektakuläre Höhepunkt: Gläser mit einer Substanz, die als ausgespucktes Tumorgewebe präsentiert wurde.

    Wunderheilungen ohne medizinischen Nachweis?

    Ein Prediger aus Südkorea soll vermeintlich durch Gebete und Handauflegen die Heilung schwerer Erkrankungen bewirken können. Auch angeblich verlängerte Gliedmaßen und andere spektakuläre Veränderungen werden in den Videos präsentiert. Ob die gezeigten Menschen tatsächlich geheilt wurden und ob es sich bei den gezeigten Substanzen überhaupt um Tumorgewebe handelt, ist allerdings nicht belegt.

    Besonders problematisch sind solche Darstellungen, wenn sie bei schwer kranken Menschen die Erwartung wecken, durch Gebete eine medizinisch nicht erreichbare Heilung erfahren zu können. Fachleute warnen vor psychischem Heilungsdruck, Schuldgefühlen und der Gefahr, dass notwendige medizinische Behandlungen infrage gestellt werden.

    Eintritt für die Hoffnung auf Heilung?

    Für eine angekündigte Heilungskonferenz in Offenbach war eine Teilnahmegebühr von 40 Euro vorgesehen. Die Veranstaltung wurde nach Angaben der Freikirche aus organisatorischen Gründen abgesagt. Ein Strafrechtsexperte sieht in bestimmten Konstellationen mögliche Anhaltspunkte für eine Täuschung – entscheidend wären unter anderem konkrete Heilungszusagen, Zahlungen und nachweisbare Schäden.

    Ein südkoreanischer Hintergrund – wieder einmal?

    Der südkoreanische Hintergrund des Predigers ist bemerkenswert. Auch bei anderen international agierenden konfliktträchtigen religiösen Bewegungen, etwa der Mun-Bewegung und Shincheonji, spielen südkoreanische Ursprünge eine Rolle.

    Die Initiative „Jesus Healing“ wird von den Autoren des Artikels zwar dem pfingstlich-charismatischen Umfeld zugeordnet. Ob die Gemeinde dem Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) angehört, lässt sich jedoch nicht feststellen. Im öffentlich zugänglichen Gemeindeverzeichnis des BFP ist sie jedenfalls nicht aufgeführt.

    Illustration KI-generiert

    Heilungsversprechen kritisch hinterfragen

    Religiöser Glaube und das Gebet können für Menschen eine wichtige persönliche Ressource sein. Problematisch wird es dort, wo spektakuläre Heilungsbehauptungen verbreitet, der Glaube und die Hoffnungen schwer kranker Menschen instrumentalisiert oder medizinisch nicht belegte Erfolge suggeriert werden.

    Mit dieser Problematik hat sich unsere Initiative bereits ausführlich beschäftigt. Unsere Tagungsdokumentation „Die Sehnsucht nach Gesundheit, Heil und Heilung“ beleuchtet unter anderem Heilungsversprechen in fundamentalistischen Bibelbewegungen, Heilungsprediger sowie Risiken unseriöser Angebote im Gesundheitsbereich.

    Zum ausführlichen Bericht der Offenbach-Post

    Tagungsdokumentation: Die Sehnsucht nach Gesundheit, Heil und Heilung (PDF)

    Unsere Empfehlung: Heilungsversprechen kritisch prüfen – und niemals notwendige medizinische Behandlungen durch angebliche Wunderheilungen ersetzen.

    Die Hoffnung auf Heilung darf nicht zum Geschäftsmodell werden.

    #Heilungsversprechen #Wunderheilungen #ReligiöserExtremismus #SeelischeAbhängigkeit #Manipulation #Pfingstbewegung #CharismatischeBewegung #Gesundheit #Glaubensheilung #Skeptix

  • Gefahren im Netz

    Wenn digitale Gewalt tödlich werden kann

    19-Jähriger hat Kinder zum Suizid gedrängt: Jetzt in Untersuchungshaft – Ermittlungen führen in das Umfeld des Netzwerks 764-Spieleplattformen als Rekrutierungsbasis

    Sie suchen gezielt Kontakt zu Kindern und Jugendlichen, bauen scheinbare Freundschaften auf und nutzen Vertrauen, Abhängigkeit, Drohungen und Erpressung für immer brutalere Übergriffe: Die Aktivitäten extremistischer und sadistischer Online-Netzwerke zeigen eine erschreckende Dimension digitaler Gewalt.

    Wie Radio Regenbogen unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur berichtet, sitzt ein 19-Jähriger aus dem Landkreis Tuttlingen in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, gemeinsam mit weiteren Beteiligten über das Internet zwei Minderjährige bis hin zu lebensbedrohlichen Handlungen und Suizidversuchen getrieben zu haben. Auch Selbstverletzungen und die Erpressung intimer Aufnahmen sollen Teil der vorgeworfenen Taten gewesen sein.

    Nach Angaben der Ermittlungsbehörden soll der Beschuldigte eine Gruppe innerhalb des sogenannten COM-Netzwerks gegründet haben. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit einer Szene, zu der auch das Netzwerk 764 und dessen gewaltorientierte Splittergruppen zählen.

    Digitale Gewalt beginnt häufig nicht mit offener Gewalt, sondern mit scheinbarer Nähe, Vertrauen und gezielter Manipulation.

    Von der Online-Freundschaft zur systematischen Gewalt

    Die Täter suchen ihre Opfer unter anderem in sozialen Medien, Online-Spielen und digitalen Kommunikationsräumen. Sie geben sich als Freunde oder romantische Partner aus, gewinnen das Vertrauen der jungen Menschen und bauen schrittweise ein Verhältnis von Abhängigkeit und Kontrolle auf. Daraus können massive Einschüchterung, sexuelle Erpressung, Selbstverletzungen und lebensbedrohliche Übergriffe entstehen. Die Aufnahmen der Taten werden teilweise innerhalb der Netzwerke verbreitet und als Trophäen behandelt.

    Die aktuellen Ermittlungen sind deshalb mehr als ein weiterer Kriminalfall. Sie machen deutlich, wie sich digitale Kommunikationsräume zu Aktionsfeldern organisierter, extrem gewaltbereiter Gruppen entwickeln können. Die Grenzen zwischen virtueller und körperlicher Gewalt verschwimmen dabei vollständig.

    Ein Thema unserer gemeinsamen ADK-Jahrestagung

    Die Gefahren durch digitale Kulte und extremistische Internet-Phänomene waren auch Gegenstand unserer gemeinsamen Jahrestagung mit der ADK – Bayerische Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise e. V.

    Unter dem Titel „Gefahren durch Digitale Kulte und extremistische Internet-Phänomene an Beispielen“ wurden Erscheinungsformen, Strukturen und Gefährdungspotenziale solcher Netzwerke beleuchtet. Die Tagungsbroschüre mit weiteren Hintergründen und Beiträgen erscheint in Kürze.

    Weiterführende Informationen und Hintergründe

    ADK – Bayerische Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise e. V.
    Fachbeitrag: „Gefahren durch Digitale Kulte und extremistische Internet-Phänomene an Beispielen“


    Zum ADK-Fachbeitrag

    Bundesstelle für Sektenfragen (Österreich)
    Tagungsbericht: „Verborgene Gewalt“


    Zum Tagungsbericht

    Weiterlesen und recherchieren

    Weitere Informationen zu digitalen Kulten und extremistischen Online-Strukturen finden Sie auf unserer Homepage:
    Digitale Kulte – Beiträge und Hintergrundinformationen.

    Auch bei Skeptix beschäftigt man sich mit dem Netzwerk 764 und seinen Strukturen:
    Beiträge zum Netzwerk 764.

    Digitale Gewalt erkennen. Kinder und Jugendliche schützen.


    Zum aktuellen Bericht

    #DigitaleKulte #764 #OnlineRadikalisierung #DigitaleGewalt #Kinderschutz #Jugendschutz #Extremismus #OnlineNetzwerke #SeelischeAbhängigkeit #Skeptix

    Hinweis: Diese Illustration wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.

  • Conspirituality…

    …..Wenn Spiritualität auf Verschwörungsdenken trifft

    Von Räucherstäbchen und positiver Energie bis zu Chemtrails und der „Neuen Weltordnung“: Wie esoterische Weltbilder und Verschwörungsideologien ineinandergreifen – und warum soziale Medien diese Entwicklung verstärken.

      

    Spiritualität, Selbstfindung und alternative Lebenskonzepte stehen für viele Menschen zunächst für persönliche Orientierung und Wohlbefinden. Doch zwischen esoterischen Heilsversprechen und Verschwörungsideologien gibt es eine gefährliche Schnittmenge. Das Phänomen trägt einen eigenen Namen: Conspirituality – eine Verbindung aus „Conspiracy“ (Verschwörung) und „Spirituality“ (Spiritualität).

    Der Journalist und Podcastmacher Fabian Maysenhölder beleuchtet in seinem Beitrag für ntv, weshalb diese Verbindung so anschlussfähig ist. Das Versprechen eines besonderen Wissens, die Vorstellung verborgener Mächte und die Einteilung der Welt in vermeintlich Erwachte und Unwissende bilden gemeinsame Denkmuster.

    Vom Wellness-Angebot zur Verschwörungserzählung

    Besonders soziale Medien können solche Entwicklungen verstärken. Wer zunächst esoterische Inhalte zu Gesundheit, Ernährung oder Spiritualität konsumiert, kann über personalisierte Empfehlungen zunehmend mit Verschwörungserzählungen konfrontiert werden. Aus vermeintlicher Selbstfürsorge wird mitunter ein geschlossenes Weltbild, in dem geheime Eliten, manipulierte Informationen und angebliche Bedrohungen die Hauptrolle spielen.

    Dabei geht es keineswegs nur um Esoterik. Ähnliche Denkmuster finden sich auch in fundamentalistischen und anderen ideologisch abgeschotteten Milieus. Die Folgen können weit über persönliche Überzeugungen hinausreichen: familiäre Konflikte, die Ablehnung wissenschaftlicher Erkenntnisse und eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung.

    Entscheidend ist deshalb, auch dort kritisch hinzusehen, wo sich problematische Weltbilder zunächst in einem positiven, spirituellen oder gesundheitsorientierten Gewand präsentieren.


    Weiterführende Fachartikel und Hintergrundinformationen

    Verschwörungsesoterik im Digitalformat
    Dr. habil. Matthias Pöhlmann analysiert die Verbindungen zwischen digitaler Esoterik, Verschwörungsideologien und extremistischen Weltbildern.
    Fachbeitrag als PDF lesen

    Empörung und Verschwörung – ein sehenswerter Film
    Ein Video über Verschwörungstheorien, ihre Mechanismen und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen.
    Film auf YouTube ansehen

    Weitere Fachartikel in unserem Lexikon
    Hintergrundwissen und Beiträge zu Verschwörungsideologien und verwandten Themen.
    Zum Lexikon

    Podcasts und weitere Perspektiven

    Secta.fm – der Podcast von Fabian Maysenhölder
    Hintergrundwissen, Analysen und Gespräche über religiöse Bewegungen, problematische Gruppierungen und Weltanschauungsfragen.
    Zum Podcast Secta.fm

    Skeptix –Blog von Bernd Harder
    Weitere Beiträge und Analysen rund um Verschwörungstheorien, Esoterik und pseudowissenschaftliche Behauptungen.
    Weitere Beiträge zu Verschwörungstheorien


    Unsere Themen:
    #Conspirituality #Verschwörungsesoterik #Verschwörungsideologien #Esoterik #DigitaleRadikalisierung #SozialeMedien #Manipulation #Medienkompetenz #Aufklärung #Skeptix

    Illustration KI-generiert

  • Germanische Neue Medizin: Eine gefährliche Lehre mit antisemitischer Ideologie

    Es ist eine Heilslehre, die Menschen mit schweren Erkrankungen in falscher Sicherheit wiegt und sie im schlimmsten Fall das Leben kosten kann: die sogenannte Germanische Neue Medizin (GNM) des ehemaligen Arztes Ryke Geerd Hamer.

    Der Journalist und Theologe Fabian Maysenhölder beleuchtet in einem aktuellen Beitrag bei ntv die Hintergründe dieser Lehre und ihre gefährlichen Konsequenzen. Im Zentrum steht Hamers Behauptung, Krankheiten und insbesondere Krebserkrankungen seien auf ungelöste seelische Konflikte zurückzuführen. Medizinisch notwendige Behandlungen werden dadurch infrage gestellt oder sogar abgelehnt. Symptome einer fortschreitenden Erkrankung werden innerhalb des Systems teilweise als Zeichen eines Heilungsprozesses umgedeutet.

     

    Die Folgen können dramatisch sein. Immer wieder gibt es Berichte über Menschen, die starben, nachdem sie sich statt einer evidenzbasierten medizinischen Behandlung der GNM anvertraut hatten. Besonders erschreckend ist, dass diese Ideologie auch Angehörige und Erkrankte dazu bringen kann, notwendige Therapien abzulehnen.

    Zur Gefährlichkeit der GNM gehören auch ihre antisemitischen ideologischen Grundlagen. Hamer stellte die evidenzbasierte Medizin als angeblich jüdisch geprägt dar und verbreitete antisemitische Verschwörungserzählungen, wonach Juden im Verborgenen seine Methoden nutzen würden, während andere Menschen durch die etablierte Medizin bewusst geschädigt würden. Damit knüpfte er an antisemitische Motive der nationalsozialistischen Medizinideologie an.

    Diese menschenfeindlichen Erzählungen sind keineswegs mit Hamers Tod im Jahr 2017 verschwunden. Auch heute werden in einschlägigen Telegram-Kanälen antisemitische Tiraden und Verschwörungsbehauptungen aus dem Umfeld der Germanischen Neuen Medizin weiterverbreitet. Das zeigt, dass es sich nicht lediglich um das ideologische Erbe eines einzelnen Mannes handelt, sondern um ein weiterhin aktives und gefährliches Weltbild.

    Auch wir haben uns in eigenen Beiträgen ausführlich mit den ideologischen Hintergründen und den möglichen Folgen der Germanischen Neuen Medizin beschäftigt. Dazu gehören eine Analyse ihrer antisemitischen Grundlagen sowie ein erschütternder Erlebnisbericht einer Angehörigen über die tödlichen Auswirkungen dieser Lehre.

    Informieren Sie sich – denn bei schweren Erkrankungen kann die Entscheidung gegen eine wirksame medizinische Behandlung lebensgefährlich sein.

    Zum Beitrag von Fabian Maysenhölder bei ntv

    Die ideologischen Hintergründe der GNM

    Todesfalle Germanische Neue Medizin – Erlebnisbericht

    Weitere Informationen auf unserer Homepage

    Mehr dazu auf dem Skeptix-Blog

    Hashtags:
    #GermanischeNeueMedizin #GNM #RykeGeerdHamer #Antisemitismus #Verschwörungsideologien #MedizinischeAufklärung #Pseudomedizin #SeelischeAbhängigkeit #Manipulation #Skeptix