Peace City 069 und Shincheonji: Wenn die wahren Hintergründe im Verborgenen bleiben

Friedensarbeit, Jugendprojekte und interreligiöser Dialog – das klingt nach einem Engagement, das Vertrauen verdient. Doch welche Organisationen stehen tatsächlich dahinter? Die hessenschau beleuchtet die Verbindungen der Frankfurter Initiative Peace City 069 zum Verein HWPL und zur südkoreanischen religiösen Bewegung Shincheonji. Der Fall lenkt den Blick auf ein grundsätzliches Problem: die Verschleierung weltanschaulicher Hintergründe und den Einsatz von Tarnorganisationen bei der Anwerbung neuer Mitglieder.
Das Problem beginnt nicht erst bei Friedensorganisationen wie HWPL. Auch bei der direkten Kontaktaufnahme durch Shincheonji selbst wird nach den Erfahrungen, die Oliver Koch in seinem Fachbeitrag dokumentiert, die tatsächliche Zugehörigkeit nicht unbedingt von Anfang an offengelegt. Menschen werden beispielsweise über persönliche Kontakte, Gespräche über den Glauben oder Einladungen zu Bibelkursen angesprochen. Die Kurse erscheinen zunächst als allgemeine religiöse Bildungsangebote. Dass sie mit Shincheonji verbunden sind und auf die Übernahme der spezifischen Glaubenslehre der Bewegung hinführen, wird nach Kochs Darstellung nicht transparent gemacht.
Der Fachbeitrag beschreibt außerdem, wie Untergruppen und Fassadengemeinden unter Bezeichnungen auftreten können, die zunächst keinen erkennbaren Bezug zu Shincheonji erkennen lassen. Selbst bei Treffen und Gottesdiensten können Teilnehmende zunächst im Unklaren darüber bleiben, welcher Organisation sie begegnen. Die Identität der Bewegung und die zentrale Rolle ihres Gründers Man-Hee Lee werden demnach erst im Verlauf der schrittweisen Einbindung deutlich.
Damit geht es um mehr als einen unklaren Organisationsnamen: Wer Menschen anspricht, sollte offenlegen, wer hinter einem Angebot steht und welche Ziele damit verfolgt werden. Gerade bei scheinbar unverfänglichen Aktivitäten wie Friedensprojekten, Jugendbegegnungen oder Bibelkursen ist Transparenz entscheidend. Wer die Hintergründe erst später erfährt, kann zu Beginn kaum selbstbestimmt entscheiden, ob er sich auf ein Angebot einlassen möchte.
HWPL und Shincheonji weisen Vorwürfe einer gezielten Missionierung über solche Projekte zurück. Umso wichtiger ist eine sachliche Prüfung der konkreten Verbindungen und Methoden.
Weiterführende Informationen: In seinem Fachbeitrag „Shincheonji – Hintergründe, Beratungsinhalte und Erfahrungen mit den Methoden einer koreanischen Neureligion in Deutschland“ beschreibt Oliver Koch die Anknüpfungspunkte, die mangelnde Transparenz bei Bibelkursen und Gottesdiensten sowie Strategien der persönlichen Missionierung.
Zum Fachbeitrag über Shincheonji (PDF)
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