Das Geschäft mit der „verunreinigten“ Frau
Die Telegonie ist eine seit langem wissenschaftlich widerlegte Vorstellung: Frühere Sexualpartner sollen eine Frau dauerhaft genetisch oder „energetisch“ prägen und dadurch sogar spätere Kinder beeinflussen. Trotzdem wird heute mit sogenannten „Telegonie-Löschungen“, „energetischen DNA-Reinigungen“ und ähnlichen esoterischen Angeboten Geld verdient.
Doch hinter dieser scheinbar kuriosen Pseudolehre steckt mehr als ein fragwürdiges esoterisches Geschäftsmodell.
Die Telegonie transportiert ein misogynes Reinheitsnarrativ, das Frauen aufgrund ihrer sexuellen Vergangenheit bewertet und ihre sexuelle Selbstbestimmung infrage stellt. Besonders problematisch sind die ideologischen Verbindungen zur Anastasia-Bewegung und zur völkisch-esoterischen Szene.
In den Anastasia-Romanen des russischen Autors Wladimir Megre werden Naturmystik, Spiritualität, Ahnenvorstellungen und ein patriarchales Frauenbild mit verschwörungsideologischen und völkischen Vorstellungen verbunden. FARN bezeichnet die Bewegung ausdrücklich als völkisch-esoterisch.
Besonders brisant ist der rassistische Aspekt der Telegonie. Die Vorstellung, Frauen könnten durch sexuelle Kontakte dauerhaft „verunreinigt“ werden, wird teilweise mit angeblich unterschiedlichen „Blutlinien“ und ethnischer Reinheit verbunden. In den Anastasia-Büchern werden dabei sogar rassistische Beispiele zur vermeintlichen Vererbung durch frühere Sexualpartner angeführt.
Damit verbindet sich die esoterische Vorstellung von „Energien“ und „Reinigung“ mit einem Denken in wertvollem und minderwertigem Erbgut. Genau diese Verbindung macht Telegonie anschlussfähig für rassistische, antisemitische und völkische Weltbilder.
Auch über die Anastasia-Szene hinaus bestehen Überschneidungen mit weiteren Akteuren der völkischen Esoterik und mit extremistischen bzw. verschwörungsideologischen Milieus. Der hpd beschreibt deshalb die heutige Telegonie ausdrücklich als ein esoterisches Geschäftsmodell mit erheblicher ideologischer Anschlussfähigkeit.
Weiterlesen und Hintergrundinformationen
▶ Zum hpd-Artikel: „Das Geschäft mit der ‚verunreinigten‘ Frau“
▶ FARN: Söhne und Töchter der Taiga – Zur völkisch-esoterischen Anastasia-Bewegung
▶ Endstation Rechts: „Anastasia – Fest der Liebe“
▶ Informationen zur Anastasia-Bewegung auf unserer Homepage
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