Wenn Gebete Tumore verschwinden lassen sollen – Geschäft mit der Hoffnung auf Heilung?
Eine Freikirche in Offenbach wirbt mit spektakulären Heilungsvideos. Ein Prediger aus Südkorea, angeblich ausgespuckte Tumore und eine kostenpflichtige Heilungskonferenz werfen Fragen auf.
Die Hoffnung auf Heilung ist verständlich – besonders bei Menschen, die schwer erkrankt sind und bereits einen langen Leidensweg hinter sich haben. Genau an diese Hoffnungen knüpft die Offenbacher Freikirche „Jesus Healing“ an. Wie die Offenbach-Post berichtet, wurden bei einer Veranstaltung Videos gezeigt, die angebliche Wunderheilungen dokumentieren sollen. Der spektakuläre Höhepunkt: Gläser mit einer Substanz, die als ausgespucktes Tumorgewebe präsentiert wurde.
Wunderheilungen ohne medizinischen Nachweis?
Ein Prediger aus Südkorea soll vermeintlich durch Gebete und Handauflegen die Heilung schwerer Erkrankungen bewirken können. Auch angeblich verlängerte Gliedmaßen und andere spektakuläre Veränderungen werden in den Videos präsentiert. Ob die gezeigten Menschen tatsächlich geheilt wurden und ob es sich bei den gezeigten Substanzen überhaupt um Tumorgewebe handelt, ist allerdings nicht belegt.
Besonders problematisch sind solche Darstellungen, wenn sie bei schwer kranken Menschen die Erwartung wecken, durch Gebete eine medizinisch nicht erreichbare Heilung erfahren zu können. Fachleute warnen vor psychischem Heilungsdruck, Schuldgefühlen und der Gefahr, dass notwendige medizinische Behandlungen infrage gestellt werden.
Eintritt für die Hoffnung auf Heilung?
Für eine angekündigte Heilungskonferenz in Offenbach war eine Teilnahmegebühr von 40 Euro vorgesehen. Die Veranstaltung wurde nach Angaben der Freikirche aus organisatorischen Gründen abgesagt. Ein Strafrechtsexperte sieht in bestimmten Konstellationen mögliche Anhaltspunkte für eine Täuschung – entscheidend wären unter anderem konkrete Heilungszusagen, Zahlungen und nachweisbare Schäden.
Ein südkoreanischer Hintergrund – wieder einmal?
Der südkoreanische Hintergrund des Predigers ist bemerkenswert. Auch bei anderen international agierenden konfliktträchtigen religiösen Bewegungen, etwa der Mun-Bewegung und Shincheonji, spielen südkoreanische Ursprünge eine Rolle.
Die Initiative „Jesus Healing“ wird von den Autoren des Artikels zwar dem pfingstlich-charismatischen Umfeld zugeordnet. Ob die Gemeinde dem Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) angehört, lässt sich jedoch nicht feststellen. Im öffentlich zugänglichen Gemeindeverzeichnis des BFP ist sie jedenfalls nicht aufgeführt.
Illustration KI-generiert
Heilungsversprechen kritisch hinterfragen
Religiöser Glaube und das Gebet können für Menschen eine wichtige persönliche Ressource sein. Problematisch wird es dort, wo spektakuläre Heilungsbehauptungen verbreitet, der Glaube und die Hoffnungen schwer kranker Menschen instrumentalisiert oder medizinisch nicht belegte Erfolge suggeriert werden.
Mit dieser Problematik hat sich unsere Initiative bereits ausführlich beschäftigt. Unsere Tagungsdokumentation „Die Sehnsucht nach Gesundheit, Heil und Heilung“ beleuchtet unter anderem Heilungsversprechen in fundamentalistischen Bibelbewegungen, Heilungsprediger sowie Risiken unseriöser Angebote im Gesundheitsbereich.
Zum ausführlichen Bericht der Offenbach-Post
Tagungsdokumentation: Die Sehnsucht nach Gesundheit, Heil und Heilung (PDF)
Unsere Empfehlung: Heilungsversprechen kritisch prüfen – und niemals notwendige medizinische Behandlungen durch angebliche Wunderheilungen ersetzen.